Ratten-Lobby und Rattenhilfe

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Archive for Oktober, 2006

Die Geretteten aus der zweiten Reihe gehen auf die Reise

Sonntag, Oktober 29th, 2006

Heute gingen die ersten Geretteten der zweiten Reihe auf ihre Reise in ein neues Leben:
Acht Weibchen wurden nach Passau gebracht, darunter zwei Weibchen, denen ein Tumor entfernt worden war.
Neun Weibchen reisen bis nach Wien, zwei von dort weiter nach Kärnten.
Sechs Weibchen hatte bereits das Tierheim Amberg aufgenommen.
Zwölf Weibchen fanden im Tierheim München Aufnahme.
Zwei Weibchen werden in Groß Gmain einem einsamen Weibchen Gesellschaft leisten.
Vier Weibchen werde ich zusammen mit den vier jungen Böckchen morgen übernehmen und baldmöglichst zu den Tierschutzfreunden Münster, bzw. die Böckchen direkt zu ihren Rettern bringen.

Danke an alle, die diesen Tieren das Leben retten!

Bleibt mir heute erstmal nur allen eine gute Reise und gute Fahrt zu wünschen.

Vier kleine Jungs gerettet!

Montag, Oktober 16th, 2006

Heute bekam ich einen Anruf: aus einem weiteren Versuch sind vier junge Böckchen, heute ca. 8 Wochen alt, “übrig”. Sie wurden nicht gebraucht. Sind übrig. Aber für diese Tiere haben wir nicht viel Zeit, da sie dort, wo sie sitzen, nicht lange bleiben können…….

Wenn wir Plätze haben, dann dürfen sie das Labor lebend verlassen.
Wenn….. Böcke….. Wer will schon Böcke…… Nahezu aussichtslos, noch dazu unter Zeitdruck.

Aber diese vier haben einen Schutzengel. Bereits wenige Stunden später kam eine mail mit einem Hilfsangebot für 3-4 Buben. Und eben kam die Zusage. Diese vier Jungs sind nicht nur gerettet, sie haben bereits einen festen Platz, wo sie als ganze Böcke ein hoffentlich langes Leben genießen dürfen!

Tierheim Würzburg

Sonntag, Oktober 15th, 2006

Amanda, Maximila und ihr Huskymann (kastriert)


Es handelt sich um zwei blackhooded Weibchen, eine dürfte jetzt ca. 4 Monate jung sein, die zweite ist ca. 10-12 Monate, und einen kastrierten Husky, ca. 1 Jahr.

So sah die Kleine aus, kurz nachdem sie vor einigen Wochen ins Tierheim kam.
Sie ist inzwischen ca. 4 Monate jung und entsprechend ihrer Jugend noch recht wuselig und schüchtern.

Sie sitzt zusammen mit eine erwachsenen blackhooded Weibchen und einem inzwischen kastrierten Huskybock. Diese beiden könnten rein theoretisch die Eltern der Kleinen sein. Sie wurden alle zusammen von einem Tierheim-Mitarbeiter aus schlechter Haltung befreit. Das ältere Weibchen war gedeckt. Wie es meistens ist, die Babies konnten inzwischen alle vermittelt werden.

Der Huskykastrat ist schon recht aufgehellt. Er war heute sehr neugierig und aufgeschlossen.

Diese drei sollten nun zusammen ein liebevolles Zuhause finden, wo sie ihre schlechte Vergangenheit vergessen können. Mit viel Zeit und Ruhe werden sie sicherlich lernen, daß wir Menschen auch unsere guten Seiten haben.

Kontakt entweder direkt:
Tierheim Würzburg, Elferweg,
Öffnungszeiten: Täglich (außer Montag und Donnerstag) von 14:00 - 16:00 Uhr, am Wochenende und Feiertagen von 13:30 - 16:00 Uhr, Telefon: 0931-84324.

Oder über mich, insbesondere bei Fragen zu Transporten.

Wie steht es um die Laborratten?

Donnerstag, Oktober 12th, 2006

In diesen Tagen läuft gerade die zweite Versuchsreihe mit den Blutentnahmen.
Voraussichtlich am kommenden Wochenende werden alle 37 Tiere durch sein.
Danach werden wir sehen, wieviele Plätze wir haben und die Transporte konkret planen.

Inzwischen stehen auch die Zahlen für die Versuchsreihen im Dezember und im Januar fest: Jeweils 67 Tiere werden dank der Hilfe und des Einsatzes der Leute vor Ort das Labor lebend verlassen.
Diese große Zahl freut mich natürlich sehr. Macht mir aber auch Angst. Werden wir es schaffen und Plätze für die geretteten Tiere finden?

Da es sich nicht um die zigste Zooladenschwangerschaft in z.B. Nürnberg handelt, verweigern selbsternannte Rattenfreunde den Tieren ihre Mithilfe. Sie gehen sogar soweit, daß sie Menschen, die den geretteten Tieren helfen wollen, unter Druck setzen. Frei nach dem Motto: Wenn Ihr den Laboris helft, dann helfen wir Euch nicht mehr.
Traurig, aber wahr.

Nur wir lassen uns davon nicht entmutigen!
Jedes gerettete Leben ist es wert!


13 kleine Früchtchen und Opa Fuß

Mittwoch, Oktober 11th, 2006

13x Tuttifrutti
Bis einschließlich letzten Sonntag hielt mich diese gesamte Rattenbande gut auf Trab.


weitere Bilder hier: KLICK
Zuerst mußten alle entmilbt werden. Aber nach einmal Frontline und zweimal Stronghold waren drei Wochen um und sicher keine lebende Milbe mehr am Tier.
Alle Weibchen niesten, aber wegen einer möglichen Schwangerschaft fiel Baytril als Allheilmittel aus.
Also wurden sie homöopatisch gedopt, mit Vitaminen, Obst, Gemüse und Babybreichen gepäppelt und an gutes Rattenfutter gewöhnt. Zuletzt bekam jede noch zwei Spritzen Zylexis, ein starkes Immunstimulans.
Ich hatte noch selten solch dankbare Wesen erlebt. Von Anfang an konnte ich in das Schlafnest fassen, sie waren total zutraulich und anhänglich. Sobald ich das Zimmer betrat, hingen sie am Gitter. Nicht eine fehlte. Und dann klebten sie an mir.
Nach ungefähr einer Woche kehrten auch ihre Lebensgeister zurück. Sie fingen an miteinander zu spielen und herum zu tollen.
Und ich habe noch nie eine Gruppe Ratten erlebt, noch dazu in der Größe, die so harmonisch zusammen lebt.
Kein Gezicke und Gezanke. Wahre Anfängertiere.
Es war ein bunter Haufen, alle Farben, auch einige Sonderfarben dabei. Daher nannte ich sie einfach Tuttifrutti.
Nach und nach durften inzwischen alle in ihr neues Zuhause umziehen.
Bei aller Arbeit und allen Sorgen, wie etwa, ob doch noch Babies kommen, ob die Atemwegsinektionen schlimmer werden, ob die anfänglichen Verdauungsstörungen nach der Umstellung auf Normalfutter pathogen sind, ich war froh, daß diese Schätze hier waren.
Hoffentlich werden sie in ihrem neuen Zuhause auch lange bei voller Gesundheit solche Sonnenscheinchen bleiben.

Opa Fuß

Als ich ihn das erste Mal sah, lag er beim Tierarzt in einem Transportkäfig auf einer verdreckten Porzellanschale, diese aber dafür mit Goldrand, in seinen eigenen Exkrementen. Ein Bild wie aus einem schlechten Film. Das ehemals weiße Fell schütter und uringelb verklebt. Dünn, dürr, eingefallen, ausgetrocknet. Zu schwach um aufzustehen. Voller Wunden am Körper. Einem Ballengeschwür und zwei geschwollenen, bereits blau verfärbten Beinchen.
Der erste Gedanke war: Wir müssen ihn erlösen.
Aber dann nahm ich ihn hoch. Er drückte sich an mich.
Sollten wir dieser armen gequälten Kreatur nicht noch eine Chance geben? Wenigstens ein paar Tage die Schmerzen nehmen, ihn von den Parasiten befreien, mit Leckereien verwöhnen? Vielleicht würde er sich ja erholen? Der Tierarzt stimmte zu, einen Versuch war es wert.
Wir nahmen eine Kotprobe.
Gegen die Milben bekam er Frontline und dann ebenfalls Stronghold.
Gegen die Infektion im Bein Baytril.
Gegen eventuelle Schmerzen Metacam.
Aus einer Elendsgestalt wurde innerhalb weniger Tage ein freundlicher, hübscher älterer Herr. Er richtete sich in seiner Seniorenresidenz schnell häuslich ein.
Am ersten Tag wußte er mit der Toilettenschale noch nichts anzufangen. Er legte einen seiner anfangs wirklich übelriechenden Köttel hinein, packte dann ganz viel Küchenpapier darüber und legte sich darauf zum schlafen.
Aber bereits am anderen Tag hatte er das Prinzip verstanden. Er hatte seine Kuschelhöle, nutzte die Toilettenschale. Sobald der Sahnetopf mit den Medikamenten leer geschleckt war, drehte er ihn jedesmal auf den Kopf. Ein alter Herr entwickelt eben seine manchmal liebenswürdigen Eigenheiten.
Die Blauverfärbung der Schwellung am Bein verschwand. Er nahm zu. Kam sofort zu mir am Gitter hoch, sobald ich das Zimmer betrat. Er schien keine Schmerzen an den Füßen zu haben, kletterte mit beiden Hinterbeinen am Gitter hoch, sprang auch auf den Hinterbeinchen herum. Der Ballenabszeß schloß sich, auch die Haut wurde schön und glatt. Der Kot wurde fester und der Gestank ließ merklich nach.
Leider verschwand die Schwellung an den Hinterbeinen nicht. Es war zwar nicht mehr so prall, die Blaufärbung war völlig verschwunden, d.h. die Entzündung war abgeklungen.
In der Zwischenzeit hatte ich im Internet viel recherchiert. Und immer wieder fiel der Begriff “Osteosarkom”.
Mit keinem sehr guten Gefühl machte ich mich nach Abschluß der Antibiotika-Behandlung auf den Weg in die Tierklinik.
Sorgenvolle Blicke. Nur eine Röntgenaufnahme der Beine und vom Thorax würde Klarheit bringen.
Der Tierarzt bereitete das Röntgen vor. Einige Minuten war ich mit Fussili, wie ich ihn nannte, noch alleine. Er hatte jedoch so gar keine Zeit für mich. Wollte wieder in seine Box. Packte dort alle Kackelboller in eine Ecke. Rollte sorgfältig sein Handtuch darüber. Setzte sich hinter die Rolle und putzte sich ausgiebig. So als ob er noch seine Sachen ordnen wollte.
Dann kam die kurze Inhalationsnarkose nachdem er zuvor abgehört worden war. Er wurde rausgetragen.
Warten. Hoffen. eine Ahnung, Bauchgefühl.
Plötzlich ging die Türe auf. Der Tierarzt kam mit ihm in den Händen zurück. Was hatte er da eben gesagt?
“Er ist mir weggeblieben?” Ich verstand nichts und verstand doch sofort.
Er hatte bereits ruhig schlafend auf dem Röntgentisch gelegen, als er plötzlich aufhörte zu atmen. Die Ärzte haben alles versucht um ihn zurückzuholen. Vergeblich. Er war eingeschlafen. Entschlafen.
Dann sahen wir uns die Röntgenaufnahmen an: Der rechte Fuß hatte keine Verbindung mehr zum Unterschenkel. Das Knochengewebe war aufgelöst und total versprengt. Die Lunge war nahezu völlig verschlossen durch Tumormasse.
Fussili hatte es richtig gemacht. Er hat uns die Entscheidung abgenommen. Nach einem kurzen und schmerzlosen Abschied ist er gegangen. Eingeschlafen für immer.
Heute noch, Wochen später, kommen mir bei dem Gedanken an ihn die Tränen. Manche haben einfach ihren Platz im Herzen sofort und für lange Zeit eingenommen. Unabhängig von der Länge der Zeit, die man sie kennen durfte.
Wenigstens hatte er noch 12 schmerzfreie Tage.
Wie viele Ratten wie Opa Fuß mag es noch geben? Mit einem ähnlichen besch….. Leben? Wieviele verenden einfach unbemerkt?
Alter Mann, es war schön, Dich kennengelernt haben zu dürfen.

weitere Fotos, auch vom Fuß, hier: KLICK